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Die europäische Spinne des Jahres 2011 – Die Gemeine
Labyrinthspinne
Agelena labyrinthica (Clerck, 1757)
Nachdem 2008 mit der Gattung Tegenaria zum ersten
Mal eine Vertreterin der Trichternetzspinnen gekürt wurde (Spinne
des Jahres 2008), ist nun auch im Jahre 2011 eine weitere Vertreterin
dieser Familie zur Spinne des Jahres gewählt worden: Agelena
labyrinthica, die GemeineLabyrinthspinne.
Bild: Christoph Hörweg
Die Gemeine Labyrinthspinne ist eine 1146 bekannten
Trichternetzspinnen (Familie Agelenidae) weltweit; in Europa kennt
man 180, in Mitteleuropa ungefähr 30 Arten.
Ein wichtiges Familienmerkmal sind die immer deutlich
zweigliedrigen hinteren Spinnwarzen. Bei der Labyrinthspinne sind
sie zudem stark verlängert - fast doppelt so lang wie das Grundglied.
Für Spinnenkundler sind auch noch die mindestens 4 dorsalen Becherhaare
(so genannte Trichobothrien) auf dem Endglied (Tarsus) des ersten
Beinpaares ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Familien.
Im Größenvergleich mit anderen Spinnen könnte man Trichternetzspinnen
als mittelgroß bezeichnen: das Männchen erreicht in der Regel 8-12,
das Weibchen 10-14 mm Körperlänge. Der Vorderkörper ist gelbbraun
und trägt auf der Oberseite zwei breite, dunkle Längsbinden, die
sich nach vorne stark verschmälern. Die Grundfarbe des Hinterkörpers
ist graubraun; über seine Rückenmitte verläuft ein graues Längsband
mit einer Reihe weißer Winkelflecke – dadurch entsteht eine Art
„Fischgrätenmuster“. Geschlechtsreife Tiere findet man vornehmlich
im Juli und August.
Die Labyrinthspinne bewohnt sonnige, trockene
Orte mit niedriger Vegetation oder lockerem Gebüsch, kommt aber
auch an Wald- und Wegrändern und ebenso auf Trockenrasen vor. In
Mitteleuropa ist die Labyrinthspinne weit verbreitet und wird daher
häufig gefunden.
Die Trichterspinnen bauen charakteristische Netze;
diese werden häufig zwischen Gras und niedrigen Sträuchern ausgespannt,
meist dicht über dem Boden, seltener in bis zu 1m Höhe im Gebüsch.
Eine ebene Netzfläche mündet trichterförmig in eine hinten offene
Wohn- bzw. auch Fluchtröhre. Über diesem Netz erhebt sich zudem
ein weiträumiges Raumnetz aus feinen Stolperfäden.
Gerät ein Insekt auf die Netzdecke, eilt die Spinne
aus der Röhrenmündung hervor, um es durch Bisse zu betäuben oder
zu töten. Sie orientiert sich dabei an den von der Beute ausgehenden
Schwingungen. Kleinere Insekten, die sich in den Labyrinthfäden
oberhalb des Netzes verfangen, aber keinen Kontakt mit dem Netz
selbst haben, können ebenso von der Spinne lokalisiert werden, und
zwar mit Hilfe von Becherhaaren auf den Beinen, die gleichsam als
Ferntastsinnesorgan fungieren. Vermutlich können sogar langsam fliegende
Insekten ergriffen werden, da die Spinne eine sehr kurze Reaktionszeit
(im Mittel 160msec) hat. Für die Orientierung im Netz haben auch
die Augen eine große Bedeutung. Die Spinne richtet sich nach hellen
oder dunklen, auffälligen Objekten in der Umgebung. Außerdem wird
mit den vorderen Mittelaugen die Schwingungsebene des polarisierten
Tageslichtes wahrgenommen und zur Richtungsweisung ausgenutzt.
Zur Paarungszeit, meist Mitte Juli, beklopft das
Männchen zunächst das Netz des Weibchens mit den Kieferfühlern (Pedipalpen),
um sich als Geschlechtspartner erkennen zu geben. Ist das Weibchen
paarungsbereit, verharrt es ruhig in der Gespinströhre, wo dann
auch die Begattung stattfindet.
Ungefähr einen Monat später, etwa Anfang bis Mitte August, fertigt
das Weibchen seinen großen, weißen Eikokon. Der innere Kokon (die
eigentliche Eikammer mit 50-130 Eiern) wird am Rand durch mehrere
radiäre Seidenbänder gestrafft und an der Nestwand frei und elastisch
aufgehängt. Die Wand des Einestes besteht aus einem dichten zähen
Gewebe und wird zudem noch getarnt (z.B. mit Laub). Noch im selben
Jahr schlüpfen die Jungspinnen und überwintern im Nest, wobei sie
sich von dem im Hinterleib gespeicherten Dottervorrat ernähren.
Die jungen Spinnen verlassen das schützende Einest erst im kommenden
Frühjahr.
Es wird nicht schwer fallen, bei einem Spaziergang
im Sommer 2011, die Labyrinthspinne zu entdecken – lauernd in der
Wohnröhre ihres faszinierenden Trichternetzes, mit geschickten schnellen
Bewegungen die Beute überwältigend – freuen wir uns gemeinsam über
Ihre Anwesenheit!
Christoph Hörweg
Bild: Barbara Knoflach
Bild: Dragisa Savic
Bild: Christian Komposch, Ökoteam
Graz
Kontakt
Österreich, Deutschland:
Mag. Christoph Hörweg, Naturhistorisches Museum Wien, 3. Zoologische
Abteilung, Burgring 7, A-1010 Wien, Österreich
E-Mail: christoph.hoerweg
(at) nhm-wien.ac.at
Europa:
Dr. Milan Řezáč, Department of Zoology, Charles University, Vinicna
7, 128 44 Praha 2, Czech Republic, eMail: rezac
(at) vurv.cz
Beteiligte Länder (84 Jury-Mitglieder aus 24 Ländern):
Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland,
Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Liechtenstein,
Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz,
Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn.
Unterstützende
Gesellschaften:
Verbreitungskarten
und Fotogalerien:
Deutschland
http://www.spiderling.de/arages/Verbreitungskarten/
Tschechische Republik
http://www.pavouci-cz.eu/Pavouci.php?str=Agelena_labyrinthica
Benelux
http://www.tuite.nl/iwg/Araneae/SpiBenelux/?species=Agelena%20labyrinthica
Europa
http://www.spiderling.de/arages/OverviewEurope/
http://www.eurospiders.com/Agelena_labyrinthica.htm
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