Spinne des Jahres 2003 -
Die große Zitterspinne
Pholcus phalangioides (Fuesslin, 1775)
Proklamation durch die Arachnologische
Gesellschaft e.V. (AraGes) am 10.01.2003 (Berlin)

[aktuelle
Verbreitungskarte der grossen Zitterspinne]
[Fachpublikationen zur grossen Zitterspinne]
Die
Große Zitterspinne ist ein Kosmopolit, dessen eigentliche Herkunft
noch nicht geklärt ist. Jedoch scheint sich die Art in gemäßigten
Breiten im Gegensatz zu den Tropen stärker durchgesetzt zu haben.
Pholcus
phalangioides kommt in Europa vor allem in den südlichen Teilen
vor, hat sich von dort nach Norden hin ausgebreitet und ist heute in
fast jedem Haus zu finden. Vor allem in Kellern und ruhigen Ecken in
der Wohnung ist diese zart anmutende Spinne häufig anzutreffen.
Die Art kann bis drei Jahre alt werden und ist ganzjährig mit geschlechtsreifen
Tiere vertreten. Neben der Spinne fallen ihre z.T. großflächigen
Netze auf, vor allem, wenn sie verlassen und nach einiger Zeit verstaubt
sind.
Zitterspinnen
werden häufig mit den ähnlich langbeinigen Weberknechten verwechselt.
Letztere besitzen keine Spinndrüsen - damit auch keine Netze -
und sind eher an sonnigen Hauswänden oder im Garten anzutreffen.
Neben eher unscheinbaren Unterschieden kann man die Zitterspinnen auch
daran erkennen, dass sie im Gegensatz zu einem Weberknecht einen deutlich
zweigeteilten Körper besitzen. Neben der hier genannten häufigen
"Großen Zitterspinne" gibt es noch einige weitere Arten.
Alle Arten lassen sich nur anhand der Geschlechtsorgane eindeutig unterscheiden.
Der
Name der Zitterspinnen geht auf ein interessantes Verhalten zurück.
Wird die Spinne in ihrem Netz gestört oder berührt, schwingt
sie heftig hin und her. Sie zittert! Dadurch verschwinden die Umrisse
der Spinne und der potentielle Räuber wird in der Beutefanghandlung
gestört und lässt von der Beute ab.
Der
Körper der Zitterspinne ist eher klein (0,7-1,0 cm), grauweiß
und an einigen Stellen durchsichtig erscheinend. Vorder- und Hinterkörper
sind mit einer bräunlichen Zeichnung versehen. Der Hinterleib hat
eine zylindrische Form. Im Gegensatz zum Körper können die
charakteristischen Beine bis zu fünf Zentimeter lang werden. Trotz
der imponierenden Beinspannweite sind Zitterspinnen für den Menschen
völlig ungefährlich.
Männchen
und Weibchen lassen sich im geschlechtsreifen Zustand leicht auseinanderhalten:
Die Männchen verfügen an ihren Tastern über große
Geschlechtsorgane. Diese trägt die Spinne wie Boxhandschuhe an
ihrem Vorderende. Den Weibchen hingegen fehlen diese Organe. Sie weisen
lediglich dünne, beinartige Taster auf. Weibchen können kurz
vor der Eiablage einen großen Hinterleib aufweisen, wobei dieser
mit Eiern prall gefüllt ist.
Weibliche
Zitterspinnen verpacken ca. 20 Eier in einen hauchdünnen Seidenkokon
und tragen diesen in ihren Fängen mit sich herum. Wenn die Jungspinnen
schlüpfen, verbleiben sie noch einige Zeit in einem Knäuel
aus langen Beinen und zarten durchsichtigen Körpern im Kokon. Später
weben sie ihr eigenes kleines Fangnetz und sind auf sich selbst gestellt.
Die
Netze der Zitterspinnen erscheinen unstrukturiert und bestehen aus zahllosen,
kreuz und quer gewebten Fäden, die eine Netzdecke bilden. Diese
wird durch zahlreiche Haltefäden aufgespannt. In diesem Netz sitzt
die Spinne mit dem Bauch nach oben. Die Fangfäden weisen keine
Leimtropfen auf wie z.B. die Fangspirale der Kreuzspinne. Wie kann Pholcus
trotzdem so erfolgreich Beute machen? Zum einen gibt es sogenannte
Schraubfäden, die dem Faden eine zusätzliche Elastizität
verleihen und bei Berührung wie Fußangeln wirken. Zum anderen
schießt die Spinne blitzschnell zu einem Beutetier und wickelt
es mithilfe ihrer langen Hinterbeinen ein, indem sie Fäden aus
den Spinnwarzen herauszieht und diese über die Beute wirft. Im
nächsten Schritt wird die Beute ein Stück weit herangezogen
und in Rotation versetzt und dabei weiter eingesponnen.
Von
Pholcus phalangioides ist auch bekannt, dass Individuen in Netze
anderer Spinnen eindringen um die Bewohnerin zu töten. Dies ist
aber sicher die Ausnahme von der Regel.
Die
Große Zitterspinne ist eine Mitbewohnerin in unseren Häusern,
die nicht nur ungefährlich, sondern im Gegenteil sehr nützlich
ist beim Vertilgen von lästigen Insekten. Überdies lassen
sich interessante Verhaltensweisen direkt vor bzw. hinter unserer Haustür
beobachten. Zitterspinnen eigenen sich außerdem als Terrarientiere,
wo sie nicht nur Kindern zur Anschauung dienen können.
[aktuelle
Verbreitungskarte der grossen Zitterspinne]
[Fachpublikationen zur grossen Zitterspinne]
Autoren
der Textvorlage: Peter Jäger & Martin Kreuels
Kuratorium
der Spinne des Jahres: Dr. Gernot Bergthaler, Dipl.-Biol. Theo Blick,
Dr. Oliver Finch, Dr. Ambros Hänggi, Dr. Peter Jäger, Dr.
Martin Kreuels,