Spinne des Jahres 2001 - Die Wespenspinne
Argiope bruennichi (SCOPOLI, 1772)
[ Aktuelle Verbreitungskarte der Wespenspinne
]
[ Fachpublikationen über die Wespenspinne
]
Die Wespenspinne ist zweifellos eine der attraktivsten
einheimischen Spinnen. Mit bis zu 2cm Körperlänge der Weibchen
(Männchen werden nur ca. 5mm gross!) und den wunderbaren Radnetzen
in der Vegetation gehören sie auch zu den wenigen der über
1.000 einheimischen Spinnen, welche mit bloßem Auge in der Natur
wahrgenommen werden können.
Die Wespenspinne war früher bei uns relativ selten.
Seit ca. 30 Jahren werden sie über ganz Europa - von Südwesten
her kommend - immer häufiger festgestellt. Die Ursache für
diese Ausbreitung ist nicht bekannt. Die Wespenspinne liebt wärmebegünstigte
Standorte mit einer strukturreichen, kurzen Vegetationsschicht. Im Gegensatz
zu der sehr häufigen Kreuzspinne, die ihre Netze gerne auch in
Fensternischen baut, errichtet die Wespenspinne ihre Radnetze meist
in Bodennähe. Argiope besitzt ihr Optimum auf ungestörten
ganzjährig belassenen Wiesen, auf denen ihre Netze nicht durch
Mahd oder Schafbeweidung zerstört wird. Die Spinne kann ihr Netz
zwar jederzeit erneuern (Netzbau findet meist in den Dämmerungsstunden
statt), wandert aber aus dem betreffenden Lebensraum ab oder stirbt,
wenn dies zu häufig eintritt. Das Netz der Wespenspinne unterscheidet
sich vom Netz der Kreuzspinne vor allem dadurch, dass hier oberhalb
und unterhalb der Netzmitte (Nabe) ein dichtes Zickzackgeflecht eingebaut
wird. Mehrere Hypothesen versuchten die Funktion des Musters zu erklären.
- Das Muster dient dem Netz als "Stabiliment", daß das Netz
beim Aufprall großer Insekten, vor der Zerstörung schützen
soll;
- die Wespenspinne ist durch ihrer Hinterleibszeichnung, die dem
dahinterliegenden Zickzackmuster strukturell ähnelt, vor Räubern
(z.B. Vögel) getarnt und
- das Netzmuster soll für Insekten eine attraktive Wirkung im
ultravioletten Bereich haben (Stichwort: Landebahn).
In einem optimalen Lebensraum (z.B. Halbtrockenrasen)
kommen die Wespenspinnen in grosser Dichte vor. Eine Untersuchung in
Deutschland (nahe Jena) hat ergeben, dass alleine die Wespenspinnen
pro Hektare Wiese rund 4,5 Mio Arthropoden pro Jahr vertilgen, was rund
80 kg Frischmasse entspricht. Hauptbeutetiere sind dabei Heuschrecken und Hautflügler.
Wespenspinnen und Spinnen allgemein haben mit diesen enormen Vertilgungsraten
in einem natürlichen System eine überaus grosse Bedeutung
bei der Limitierung der Populationsdichten von Insekten.
Wie alle anderen Spinnen legt auch die Wespenspinne ihre
Eier in ein seidenes Paket, den sogenannten Kokon. Die Wespenspinne kann mehrere
Kokons produzieren, welche sie dann in der Vegetation rund um das Netz
aufhängt und einige Zeit bewacht. Später wird der gut geschützte
und getarnte Kokon sich selbst überlassen. Die Jungspinnen schlüpfen
erst im nächsten Frühjahr, wenn das Muttertier schon lange
gestorben ist. Sie sind auf sich allein gestellt und fertigen ein perfektes
Radnetz in Miniaturausführung an. Dieses Verhalten ist im genetischen
Programm der kleinen Spinnen festgelegt.
Wird die Schwarze Witwe als männermordenes Weib
dargestellt, so gilt dieses Attribut, doch eigentlich der Wespenspinne.
Das Männchen, das; zur Paarung das Netz des Weibchens aufsucht,
versucht durch Zupfsignale am Netz, das Weibchen von seiner Absicht
zu überzeugen. Ist das Weibchen paarungsbereit, verhält es
sich passiv und die Paarung kann erfolgen. Wenige Sekunden später
erwacht das Weibchen aus seiner Passivität und greift das Männchen
an, welches kurze Zeit später verzehrt wird. Nur selten gelingt
es dem viel kleineren Männchen zu entkommen. Auch hier gibt es
mehrere Hypothesen, die versuchen das Verhalten zu erklären: a)
das Männchen dient dem Weibchen als Nahrung und unterstützt
somit die Eientwicklung seiner eigenen Nachkommen und b) durch den Tod
des Männchens verhindert das Weibchen, daß sich ein Männchen
mit mehreren Weibchen paart und somit die genetische Vielfalt auf einer
Wiese verringert. Gerade der letzte Punkt wäre eine Strategie,
die evolutiv günstig ist.
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Andere Tiere und Pflanzen des Jahres unter
"Natur des Jahres" (Schutzgemeinschaft Deutscher
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Kontaktadresse:
Dr. Martin Kreuels
Alexander-Hammer-Weg 9, 48161 Münster
Tel: 02533/933545, Fax: 02533/934449
Autoren:
Dr. Ambros Hänggi, Dr. Peter Jäger, Dr. Martin Kreuels